WTF überqualifiziert?!

Heute komme ich von einem Bewerbercafè. Ich hatte mich auf eine Stelle als Bürokauffrau beworben und bin eingeladen worden. In der Annahme, es gäbe so eine Art von Assessment Center, war ich freudiger Erwartung.

Fünf Bewerberinnen standen zur Verfügung. Zuerst wurde ein kurzer Vortrag / PPT zum Unternehmen und der Bewerberauswahl gehalten. Wischiwaschi. Der speziell auf Frauen ausgerichtete Termin wurde von einer Männerdominierten PPT-Präsentation gelangweilt, echten Input gab es gar nicht. Das anschließende persönliche Gespräch auf Wunsch der Bewerberin war zwar von einem jungen, freundlichen, netten und bestimmt auch motivierten Mann geführt. Ergab aber nur, dass ich für die ausgeschriebene Stelle, auf die ich mich beworben habe, „überqualifiziert“ bin. Ich glaube ja, dass „überqualifiziert“ nur ein Synonym für „Ihr Bewerberprofil ist shit“ ist.
Zu essen gibt es davon nicht, Wohnung und Katzenfutter kann ich davon auch nicht bezahlen.

Mutig geht es weiter

Aber frohen Mutes, denn Steine, die sich mir in den Weg legen, fordern mich heraus, habe ich schon auf dem Nachhauseweg einen kreativen Entschuß gefasst: für jede*n Absager*in gibt es einen Link zu einer Umfrage. Ich drehe den Spieß um und möchte Qualitätskontrollen für meine Bewerbungen einführen. Ob es einen Resonanz gibt, wage ich zu beweifeln. Aber einen Versuch ist es allemal wert. Vielleicht nimmt sich der eine oder die anderen ja wirklich die Zeit und hat die Muße, über die Absage nachzudenken.

Entschuß gefasst, getan. Ganz einfach. Sicherlich wird mir bei der Fragestellung noch das ein oder anderen bessere einfallen, was ich ergänzen oder komplett ändern könnte. Aber zuerst bin ich mit der Umfrage schon zufrieden.

Warum das Ganze?

Es ist schlichtweg enttäuschend, wenn man auf Bewerbungen Absagen bekommt! Es ist vielleicht entmutigend, verbessert nicht die aktuelle Situation und oftmals ist eine Absage auch nicht wirklich aussagekräftig. „Sie sind überqualifiziert” hört sich eher nach einem Stigmata an …
Will ich auch nicht mehr hören. Oder lesen.
Viel schlimmer noch Absagen mit den Worten „Wir konnten Ihren Bewerbung nicht berücksichtigen.“ Ahja? Warum? Kam sie zu spät? War sie zu langweilig? Bin ich zu alt oder zu Frau? Passen meine Fähigkeiten nicht zu Ihren Bedürfnissen? Das ist nun etwas, was interessiert! Was kann ein*e Bewerber*n besser machen? Woran liegt es, dass man nur Absagen bekommt?
Aus diesem Grunde hoffe ich, dass meine kleine Umfrage von verantwortungsbewussten Personalern ausgefüllt wird.

 

Floskeln und globale Pauschalisierungen

 

Man sieht ein nettes Stellenangebot, welches echtes Interesse weckt. Sei es, weil man den Arbeitsplatz oder -ort wechseln möchte, sie es, weil man sich verbessern oder umorientieren will oder sei es, weil man einen Wiedereinstieg in die Arbeitswelt wagen möchte/muss.
Man gibt sich Mühe, sucht Informationen über das Unternehmen, die ausgeschriebenen Stelle. (Manchmal gibt es aber auch keine Webseite (heute/2017!) die man besuchen könnte, um Informationen zu sammeln.) Man investiert Kreativität und Zeit um eine passable Bewerbung mit einem gelungenen Anschreiben zu kreiieren. Möchte sich von seiner besten Seite zeigen. Warum bin ich die richtige Bewerberin für diesen Job?! 
Dass man mit Absagen leben muss, ist ganz klar. Dennoch wäre es sehr hilfreich und auch fair, wenn diese ehrlich sind. Blabla-Formulierungen wie Antidiskriminierungspauschalisierungen „…hat nichts mit Ihrem Alter oder Geschlecht zu tun” oder globale Abschiedsformeln wie „Wir wüschen Ihnen alles Gute für Ihre weitere Zukunft“ treffen einen ganz empfindlichen Nerv.

Anforderungen des Bewerbers / der Bewerberin

Man nimmt sich als Zeit und macht sich die Mühe. Man erwartet und erhofft sich einen positive Resonanz auf seine Bemühungen. Dass das nicht immer gegeben ist, dürfte angesichts des übersättigten Arbeitsmarkes jedem klar sein.

Dennoch haben auch Bewerber*innen Anforderungen an das Unternehmen / die Personalabteilung.

  • Fairness
  • Ehrlichkeit
  • Loyalität
  • Wertschätzung

Ganz ehrlich, liebe Personaler, wir geben euch auch etwas. Die Zeit, die wir investiert haben, um uns vorzubereiten. Die Zeit, die wir investieren, um euch kennen zu lernen (sollte es zu einem Vorstellungsgespräch oder sonstigen Termin – „Bewerbercafè”, Assessment Center kommen). Die Ausbildung/das Studium, das Wissen, was wir mitbringen. Unsere Persönlichkeit. Unserere Motivation. Unsere Qualität. Der Wunsch nach Veränderung. Die Zeit, die wir nutzen, sie für euch / das Unternehmen einzusetzen.

Diese so wunderbar formulierten Stellenanzeigen, die sich das Gute vom Himmel wünschen, Unternehmen, die innovativ sind, Teams, die jung und nerdy sind, flache Hirarchien. Gottgelobte Super-Jobs, die das Besten vom Besten sind, nur für die Besten. Mag es geben.

Enttäuschungen und Versprechen

Heute kam ich mir aber eher vor, als würde man nur Adressen sammeln. Potenzielle Zielpersonen, die gewillt sind, Weiterbildungen zu absolvieren, die von Jobcentern und Arbeitsämtern frisch-fröhlich gefördert werden. Nein, ich bekomme keine Leistungen. Ich werde nicht fremdgefördert, an mir kann man nichts verdienen. Außer, man stellt mich ein und provitiert von meinem Leistungseinsatz.

Wenn ich mich mit meinen Ausbildungen, Fähigkeiten, Kenntnissen und Weiterbildungen auf eine Stelle als Bürokauffrau bewerbe, bin ich mir im Klaren, dass ich dort wahrscheinlich in Zukunft nicht das komplette Marketing verantworten werde. Dass das Unternehmen evtl. noch nicht einmal in den Sozialen Medien vertreten ist, was gepflegt werden müsste. Dass ich keine Fortbildungen geben werde, sondern wahrscheinlich „einfach nur” Termine kooridinieren, Kundengespräche und -telefonate führe und vielleicht noch ein bisschen Wareneinkauf machen darf. Ja, ich bin darauf vorbereitet. Ich weiß, dass ich mehr kann. Bin aber durchaus bereit, weniger zu geben 😉

Überqualifiziert

Ich hasse es!

Aber um dem Ganzen noch die Krone aufzusetzen, liebe Personaler – ich habe vor ab dem Wintersemester 2017 Kulturwissenschaften zu studieren. Fernuni Hagen, ganz nebenbei, zu meinem eigenen Vergnügen. Nicht, weil ich hoffe, in ein paar Jahren dort einen Job zu bekommen. Sondern einfach, weil ich es liebe, mich zu bilden! So! Das kann mir keiner nehmen. Eat this.

 

So, und nun mache ich mir ’ne Dose vegetarischen Eintopf warm und gestalte eine Einhorn-Piñata. Und jede*r von dem ich jemals eine Absage bekommen habe, bekommt keine Piñata von mir. Alle anderen können meine Kreativität unterstützen und gerne etwas handgemachtes, uniques, selbstentwickeltes, glücksförderndes Super-Mitbringsel einkaufen. (Link, sobald erstellt)

 

Und wer Interesse an meinem Qualifikationsprofil hat, darf mich gerne anschreiben! Es wird demnächst zu diesem Rant auch noch einen schöne Bewerbungs-Webseite geben 🙂

 

Danke für ein bisschen Lesezeit und bis bald!

 

 

Mediengestalterin, Social Media Manager, mit kaufmännischer Basis, betreibt neben dem Schreiben auf der Beschäftigungs-Therapie noch 2 weitere Blogs. Ihre Themen sind Gestaltung, Kommunikation, Kunst & Kultur. Aktuell frischt sie mit einer Weiterbildung ihre Kenntnisse in (Social und Online) Marketing, PR, HTML & CSS, Projektmanagement, Kommunikationsmanagement und Präsentationstechniken auf. Ab dem Wintersemester 2017 wird ein Studium im Bereich Kulturwissenschaft angestrebt.

Über Manuela Potthast 60 Artikel
Mediengestalterin, Social Media Manager, mit kaufmännischer Basis, betreibt neben dem Schreiben auf der Beschäftigungs-Therapie noch 2 weitere Blogs. Ihre Themen sind Gestaltung, Kommunikation, Kunst & Kultur. Aktuell frischt sie mit einer Weiterbildung ihre Kenntnisse in (Social und Online) Marketing, PR, HTML & CSS, Projektmanagement, Kommunikationsmanagement und Präsentationstechniken auf. Ab dem Wintersemester 2017 wird ein Studium im Bereich Kulturwissenschaft angestrebt.

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