Refugees welcome – Blogger für Flüchtlinge

Es reicht! Ich habe lange still gelesen. Wollte einfach nicht (immer) meinen Senf dazu geben. Nun ist aber gut!
Allüberall gegenwärtig die widerwärtigen Ausschweifungen und dummen Parolen bildungsresistenter, super-deutscher Bürger mit Besorgnishintergrund. Menschen, die in einem Land leben, in dem es auch Armut und soziale Ungerechtigkeit gibt – keine Frage. Die in einem Land leben, das nicht von Krieg, Verfolgung und Hungersnot geplagt ist. Menschen, die anderen Menschen, die aus Leid fliehen – müssen – und denen nichts gönnen. Keine Ruhe, keinen Frieden, kein Dach über den Kopf oder regelmäßiges Essen. Menschen, die sich fett auf ihrer Sofa fläzen können, den überdimensionalen Fernseher anblicken und dennoch nichts lernen, aus den unglaublichen Geschehnissen, von denen täglich berichtet wird.
Menschen, die zum Amt gehen könne, wenn ihnen was fehlt, die Unterstützung beantragen können. Die jederzeit zum Arzt gehen können, wenn es ihnen schlecht geht. Die hinter sich die Tür schließen können um in Ruhe gelassen werden zu können. Die keinem täglichen Angriff auf ihr Leben befürchten müssen, die um ihre Kinder, Brüder und Schwestern, ihre Eltern, Freunde, Nachbarn bangen müssen. Die trotz aller Mängel, die unser Sozialsystem vielleicht nicht deckt, immer etwas zu Essen und zu Trinken zur Verfügung haben, einen sicheren Schlafplatz, ein Dach über den Kopf, Naherholung, flächendeckende Einkaufsmöglichkeiten, eine funktionierenden Infrastruktur. Menschen, denen es allemal besser geht als vielleicht 70% der restlichen Weltbevölkerung. Geschätzt. Genaue Zahlen müsste ich recherchieren. Sind jetzt aber eher unerheblich.

Auch ich kenne solche. Ich schäme mich! Für ihre Dummheit, die rein gar nichts mit Intelligenz oder Bildung zu tun hat, sondern einfach nur von Desinteresse und Hinterhergelaufe falscher Vorbilder (Dummschwätzer) zeugt. Menschen, die vielleicht zu recht Sorgen haben. Um ihre Existenz, seien sie arbeitslos oder von Arbeitslosigkeit bedroht. Menschen, die Angst haben, dass sie mit dem, was sie vielleicht im Alter noch zum Leben haben, nicht auskommen. Dass sie ihren Lebensstatus runterschrauben müssen, obwohl sie jahrelang gearbeitet und in die Rentenkassen eingezahlt haben.  Menschen, die sich vielleicht wertlos fühlen, weil sie auf Grund ihrer finanziellen Verhältnisse oder sozialer Zugehörigkeit nicht mithalten können. Diese Sorgen sollte muss man ernst nehmen. DENNOCH gibt es KEINEN Grund, das als Begründung für Fremdenhass gelten zu lassen.

Wir leben in einer Welt, in der vieles nicht in Ordnung ist. Wir sind auf dem besten Wege, sie langsam aber sicher zu zerstören. Aus Habgier, aus Technologisierung, aus fehlender Erkenntnis, dass wir nur diese eine Erde zur Verfügung haben. Aus vielen Gründen. Armut, Kriege, Hungersnöte, Naturkatastrophen, Klimaveränderung, daraus resultierende Wandlung der Gegebenheiten, unseres Umfeldes – das alles hat der Mensch zu verantworten.
Wir leben in einer Zeit, in der sich eben dieses auswirkt. Menschen strömen zu tausenden aus armen Verhältnissen zu uns – ins gelobte Land. Wo Milch und Honig fließen, glaubt man Parolen rechter Gesinnungsgenossen. Menschen, die vor Krieg und Verfolgung fliehen, weil sie Angst haben, ihr Haus über ihren Köpfen weggebombt wurde. Die schon nahestehende Menschen verloren haben. Kinder. Eltern. Geschwister. Freunde. Nachbarn. Menschen, die in Angst leben und sich nur nach ein bisschen Ruhe und Frieden sehnen. Die nicht hierher kommen, weil ihnen das Taschengeld willkommen ist. Oder der braune Bruder, der mal wieder nichts besseres zu tun hatte, als eine geplante Unterkunft in Schutt und Asche zu legen. Was wir mit unseren Steuergeldern bezahlen müssen. Den Einsatz von Rettungskräften, Feuerwehren und Polizei. Die nachfolgenden Ermittlungsarbeiten, die Unterkunft in Gefängnissen, das tägliche Brot, die ganzen Annehmlichkeiten, die dort geboten werden. Für den brauen Mob, der viel teurer ist, als Flüchtende, deren Unterhalt unter dem Hartz IV Satz liegt. Nein, das sind nicht die Gründe, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen und in sicheren Ländern, so wie unseres eines ist, Unterkunft suchen.

Diese Menschen haben Leid gesehen, miterlebt. Sie sind – sicherlich nicht alle – traumatisiert. Sie haben Angst. Um ihr Leben. Das ihrer Kinder, ihres Partners, der Eltern, Geschwister … Sie nehmen Strapazen auf sich, die wir im täglichen Gang zum Amt, zur Pommesbude, zum Freizeitpark, dem Supermarkt und er neu errichteten Einkaufs-Mall nicht haben. Wir regen uns auf, dass die Bahn zu voll ist, der Zug verspätet, der Sachbearbeiter wieder mal einen schlechten Tag hat, fühlen uns ungerecht behandelt und legen uns abends ins sichere Bettchen und müssen uns nicht sorgen, dass am nächsten Tag unser Haus nicht mehr steht, weil Bomben gefallen sind. Oder unsere Familie ermordet wurde, weil radikale Fanatiker mit lose sitzen Messern hantieren.
Aber Moment – so ähnlich ist es doch auch, wenn glatzköpfige Massen mit Fackeln in der Händen sogar bewohnte (!) Unterkünfte anzünden. Weil dort Menschen anderer Hautfarben oder einer anderen Religion Unterschlupf haben. Armes Deutschland. Ich schäme mich für uns.
Es ist mehr als traurig. Es ist beschämend. Es ist unglaublich. Ich bin fassungslos.
Wir sehen Berichte von gekenterten Flüchtlingsbooten. Wir sehen Bilder von toten Kindern, die es nicht geschafft haben. Tränen kommen mir. Als Mutter. Vor Trauer. Als Mensch. Vor Scham!

Ich lese Kommentare von Menschen, denen ich jede Humanität abspreche. Widerlichkeiten, die ich nicht wiederholen möchte, Gedankengänge, die ich keineswegs nachvollziehen kann, die mir nicht einfallen würden. Ich schäme mich! Ihr seid abscheulich! Ihr fühlt euch wertlos in unserer Gesellschaft? Vielleicht liegt es an euch? An fehlender Sozialisierung. Fehlendem Willen, sich für andere, für anderes, mal zu öffnen. Ihr entscheidet.
Ich habe mich auch entschieden. Ich möchte nicht so sein, wie ihr. Ich möchte auf Menschen zugehen. Verständnis für ihr Not haben, ihnen helfen. Ich möchte gar nicht wissen, welches Leid ihnen geschehen ist. Es reicht mir, zu wissen, dass es nun zu Ende ist. Zumindest körperlich. Ihnen zu helfen, sich hier – in meiner Heimat – wohl zu fühlen. Und vor allem sicher. Sicher vor den Ängsten, die sich zurückgelassen haben. Und sicher vor denen, die es nicht besser wissen wollen.
Gestern war ich singen. Spontan. Eine Freundin hat mich angesprochen. Es geht um Menschenrechte. Flüchtlinge sind auch dabei. Wir wollen miteinander fröhlich sein. Ja, da bin ich dabei. Ich kann nicht singen. Meiner Meinung nach. Ist aber auch nicht schlimm, denn wir singen gemeinsam. Da unterstütz eine Stimme die anderen. Fängt auf, was vielleicht nicht ganz so perfekt ist. Super! So sollte es auch in vielen anderen Belangen des täglichen Miteinanders sein. Selbstverständlich. Unabhängig von Herkunft, sozialem Ansehen, finanziellem Hintergrund, öffentlichem Status.

Menschenrecht. Wie schön, dass ich hier in Deutschland geboren wurde! Hier habe ich nicht nur soziale Sicherheit, hier habe ich das Recht auf Menschenrecht. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Dafür haben meine Großeltern gekämpft. Zumindest mein Großvater. Damals. Mit 16 (!) ist er aus dem Krieg gekommen. Unvorstellbar! Ein Kind. Viele sind dafür gestorben. Mahnung sollte es uns sein. Eine Selbstverständlichkeit für uns, die Nachkommen, der Verlierer schlechthin. Denen es dennoch so gut geht. 70 Jahre nach einer Katastrophe, die menschlich nur zu verachten ist. Wir leben gut. Sicher. Wir haben es geschafft. Mit Hilfe von aussen. Mit Hilfen von Menschen, die ihre Heimat aufgeben haben, um unsere aufzubauen. Für einen florierende Wirtschaft, eine Macht in einer Welt, die so empfindlich ist.
Menschenrechte. Die es erst möglich machen, dass wir hier in Deutschland so leben können, wie wir es tun, Frei und sicher.

Wenn du dich nicht berufen fühlst, dann lass‘ mich doch! Lass mich und viele tausenden andere, die helfen wollen. Die ihr Herz am rechten – nein sagen wir mal lieber am richtigen  – Fleck haben. Menschen, die ihr Hirn dazu gebrauchen, Wege und Möglichkeiten zu finden, wie anderen geholfen werden kann. Die auf die Strassen gehen und lautstark gegen Dummheit und Verblödung, Parolisierung- Polarisierung, gegen braune Brühe stehen! Die nicht schweigen, nicht zusehen.
Bah. Wenn ich später meinen Enkeln erklären müsste, wie es dazu gekommen ist, dass Dummheit über uns kam. Ich möchte nicht dran denken. Wo wir doch so fortschrittlich, aufgeklärt und visionär sind/waren. Zum Glück gibt es viele, viele, viele, die sich entgegenstellen, die laut aufschreien, die es nicht geschehen lassen. Sich stark machen. Die klaren Verstandes sind. Empathie leben lassen. Sich eine andere Zukunft vorstellen, eine bessere.

Vielfalt. Reichtum. Das eine kommt vom anderen. Bin ich froh, dass meine Großeltern noch während des Krieges geflohen sind. Aus einem Deutschen Reich in eine neue, deutsche Zukunft. Auf die gute Seite. Ja, einer meiner Onkel ist als Kind währenddessen verloren gegangen. Ich habe dieses in meiner Kindheit gehört und nicht verstehen können. Heute beschäftigt es mich. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es ist, ein Kind zu verlieren. Unterwegs, in der Fremde. Alleingelassen. Einsam. Wahrscheinlich ohne jede Chance.
Mein Vater ist 1945 geboren. Hier, in meiner Heimat. Das macht mich zur Deutschen. Das macht mich noch lange nicht zu einem besseren Menschen. Und dich auch nicht. Sei glücklich, dass es so ist. Sei dankbar, dass es so ist! Freue dich, dass es so ist. Dass du das Privileg hast, in Sicherheit leben zu dürfen. Das macht dich nicht zu einem besseren Menschen. Oder andere, die dieses Privileg nicht haben, zu  schlechten. Es hätte auch dich treffen können!

Zum Glück kenne ich gaaaaaaaaaaanz viele Menschen, die so oder ähnlich denke wie ich. Die sich einsetzen. Die sich stark machen. Die helfen. Die ihren Mund aufmachen. Die tun. Die unsere Menschenrecht wahren. Die nicht mit besiedelten Füssen drauf herum treten um dann später jammern zu müssen, wie scheiße es doch gelaufen ist. Wir sagen klar und deutlich NEIN zu niederträchtigen Argumenten, dummer Denke und menschenverachtenden Handlungen.

Refugees welcome. 

Mediengestalterin, Social Media Manager, mit kaufmännischer Basis, betreibt neben dem Schreiben auf der Beschäftigungs-Therapie noch 2 weitere Blogs. Ihre Themen sind Gestaltung, Kommunikation, Kunst & Kultur. Aktuell frischt sie mit einer Weiterbildung ihre Kenntnisse in (Social und Online) Marketing, PR, HTML & CSS, Projektmanagement, Kommunikationsmanagement und Präsentationstechniken auf. Ab dem Wintersemester 2017 wird ein Studium im Bereich Kulturwissenschaft angestrebt.

1 Kommentar

  1. Super Eintrag, Manuela. Inzwischen werden diese sehr Mutigen und Human konstruktive Beiträge immer weniger. Gibt es denn keine Möglichkeiten, Materialien zu beschaffen um sie den Familien ‚zur Therapie‘ in den Flüchlingsunterkünften Unterkünften zuzustellen. So könnten sie Handschuhe stricken oder die Männer könnten helfen die Hauser in stand zu halten usw.? In manchen Unterkünften organisieren sich die Flüchlinge schon selber mit Hilfe. Wie sieht die Hilfe zur ‚Selbsthilfe‘ in den Unterkünften eigentlich aus?

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


eMail-Benachrichtigung bei weiteren Kommentaren.
Auch möglich: Abo ohne Kommentar.