Filterblase – der Einfluß in den Sozialen Medien

Gerade las ich einen interessanten Artikel über die Empörungsmaschine Facebook (& andere Soziale Netzwerke). Menschen, die „körperlos“ ihre Meinung kund tun und ihrem Frust Luft machen, damit vielleicht unsere Wahrnehmung beeinträchtigen. Fake News, alternative FaktenFilterblase. Was ist los mit den ehrlichen Nachrichten, dem guten Journalismus, der nicht meinungsbildend sein darf, sondern nur informieren soll?
Meinungs- und Stimmungsmacher, die zu aktuellen Themen immer ein – nicht gutes – Wort zu schreiben haben. Kommentare, bei denen sich nicht nur der Duden neu erfinden müsste, sondern reihenweise Geschichtsbücher aus den Regalen fallen müssten. Mal abgesehen von den Gesetzbüchern.
Nachrichten, die vorgefertigt, nach einem auf den Leser abgestimmten Alghoritmus verteilt werden. Newsfeeds in den Timelines von Facebook & Twitter. Ganz grauenhaft: gestern erst habe ich meine Timeline in Google+ erst einmal aufräumen müssen, indem ich als „interessante Beiträge“ deklarierte Feeds manuell ausklammerte. Scheinbar gehen die Interessen auf Google+ ausschließlich in die rechte Ecke – oder der Suchmaschinenriese interpretiert meine Interessen gänzlich falsch.

Die Filterblase – wie beeinflusst sie mich?

Schaffe ich mir meine eigenen Filterblase, indem ich Artikel, die nicht meine Meinung wiederspiegeln, auschließe? Selbstverständlich. Aber wie habe ich letztens erst bei Twitter gelesen: „Ich lasse diese Menschen ja auch nicht in meine Wohnung.“ Bin ich also intolerant der Meinung anderer gegenüber? Nein! Meinung und Stimmungsmache sind zwei ganz unterschiedliche Dinge.
Wenn ich morgens aufwache und den Blick auf Handy oder Tablet werfe, stehen in den News dort aktuell meist reißerische Überschriften von Boulevardblättern, die für mich eindeutig in die falsche Richtung gehen. Hier werden bewußt Ängste geschürt, Vorurteile gestärkt und polemische Ausrufe in die Welt geschickt. Das sind nicht die Nachrichten, die ich lesen möchte!
Der geneigte Leser mit zumindest einem mittlerem Bildungsabschluß darf erwarten, dass ehrliche, unbeeinflußte Berichte verfasst und veröffentlicht werden.

Ängste schüren – Auflage steigern

Panikmache ist das neue Informieren! Tatsächlich dürfte der Großteil der an ehrlichen Nachrichten interessierten Lesern größer sein, als reißerische Überschriften uns vorgauklen wollen. Über den Tellerrand schauen bedeutet für den gemeinen Leser, dass er/sie sich auch in den anderen Medien informiert. Hintergrundwissen sammelt, recherchiert, wenn es nötig ist. Wahrheit von Populismus zu unterscheiden versucht. Nicht alles ungeprüft glaubt. Anstrengend. Vor allem heute, da Social Bots, Parteien und sogar einzelne Politiker es sich nehmen lassen, mit polarisierenden Aussagen Stimmung zu machen.
Selbstverständlich legt man sich eine Art Interessensliste an. Ist wie im Sport – was am meisten interessiert, ist der eigene Verein. Aber man hält sich dennoch nicht Augen und Ohren zu, wenn über die Mitbewerber berichtet wird. Man hat seine/n Favoriten, ist aber geneigt, Reportagen über andere, die in der selben Liga spielen, ebenso wahrzunehmen.
Ähnlich machen es Unternehmer in der Mitbewerberanalyse: Den Markt beobachten, seinen „Gegner“ kennen, um dessen Vorzüge wissen etc.

Offen für andere Sichtweisen

Auch wenn ich also die Bildzeitung u.ä. mit Sicherheit nicht lesen werde, bin ich offen für andere Sichtweisen als die meinen. Mit Menschen, die mit einer kommunikativen, freundlichen Art diskutieren, ihre Meinung darlegen, ohne sie als die einzig richtige zu misverstehen – mit denen macht es Spaß. Andere, die immer nur herum meckern, alles schlecht reden, andere (für die eigenen Misstände) verantwortlich machen oder gar offen und unberührt rechts hetzten aber sind diejenigen, deren „Meinung“ gelesen wird. Sachlichkeit bleibt auf der Strecke. Anpöbeln ist schon fast Umgang. Nicht in meiner Timeline – keine Angst, dort tummeln sich Menschen, die auch mal anderer Meinung sind als ich, aber von denen ich glaube, dass die verständliche Wort fassen können und passble Argumente haben.

Meinung und Provokation

Ärgerlich immer diese provokanten und teilweise boshaften Kommentare von Andersdenkenden oder -handelnden. Glaubt man Facebook-Posts, sind fast 100% der User dort Tierfreunde. Setzen sich für Tierwohl ein, wollen Tierquälern das gleiche antun, was sie den armen Geschöpfen angetan haben. Aber wehe man erzählt irgendwo, dass man (aus Tierschutzgründen) kein Fleisch isst. Oder sogar eine vegane Ernährungsweise bevorzugt. Dadurch ist man schon fast prädestiniert für einen hausgemachten Shitstorm! „Warum musst du dein Gemüse denn in Wurstform abfüllen oder zum Burger formen?“ sind Beispiele dafür, dass der gebildete Mensch nicht weiß, das Wurst und Burger in dieser Art nicht am Tier wanchsen und es reine Verarbeitungs- und Zubereitungsarten sind.
Menschen, die eine andere Sichtweise haben, werden hier immer öfter von anderen übelst beschimpft. Letztens gab es gerade zum Thema eine Kampagne von Facebook. Es ging um (Interessens)Gruppen, die man bilden und denen man sich anschließen kann, leider aber gerade mit dem Thema Veganismus meiner Meinung nach schlecht umgesetzt. „Du musst nicht jedem sagen, dass du Veganer bist. Hierfür gibt es Gruppen, wo sich Interessierte austauschen können.“ Yoahr! Genau deswegen wurde Facebook ja auch gegründet: dass sich Interessensgruppen bilden, dass man nicht über den Tellerrand schauen darf, dass man in seiner eigenen Timeline andere mit seinen eigenen Interessen nicht belästigen darf.

Interessensgruppen

Ganz ehrlich: Interessensgruppen sind super! Da kann man sich prima austauschen, Tipps holen, nette Menschen kennen lernen und Kontakte knüpfen, sich ergänzen und wachsen.
Die eigenen Timeline bleibt dann aber bitteschön leer von allem, was mit Essen, Hobbies, Politik, Kindererziehung, Reisen, Sport …etc. zu tun hat. Langweilig! SOZIALE Netzwerke bilden sich zum Austausch.
Aber ich schweife ab …
Das Problem ist eben solches, dass oftmals die eigene Meinung, hat man den Mut sie zu äußern, auf Gegenwind stößt. Das ist grundsätzlich in Ordnung. Wenn sich alle an Regeln halten. Liest man über einen kriminellen Akt, wie einen Raub oder schlimmer noch einer Vergewaltigung, wird sofort, ohne Kenntnis von Details, eine „Täterbeschreibung“ oder sagen wir mal besser eine Täterdefintion gefunden: wurde die Tat von einem Menschen mit Migrationshintergrund (auch wenn schon in 2. oder 3. Generation) begangen, sind es „immer diese Ausländer“ oder „schon wieder ein Flüchtling“. Dann wird auch immer mindestens einmal geschrieben, dass „es hier immer schimmer wird!“. Gründe, die dazu führen könnten, wie z.B. schwache soziale Strukturen, sind unwichtig. Bezeichnend alleine, dass der Täter nicht über Generationen deutsch ist. Hier werden bewußt Fakten ausgeschlossen. Hier geht es ausschließlich um vorgefertigte Meinungsmache und deren Verteilung. Auch wenn wissenschaftliche Untersuchungen anderes belegen – das sind dann Fakten, die zusammengelogen wurden, um das Volk zu verunsichern.

Es heißt ja auch Soziale Medien und nicht Humane Medien – was erwarten wir?!

Aber nicht alles ist schlecht im Netzt. es gibt viele, viele tolle Aktionen, die genau etwas anderes zeigen: Wohlwollen, Menschlichkeit, Nettigkeit. Menschen und Gruppierungen, die sich für andere einsetzen, Kunst und Architektur, die die Welt schöner machen, soziales Engagement, das vorbildlich agiert und auch öffentlich gehuldigt wird. Einzelkämpfer, die immer wieder Gutes tun. Die an das Gute glauben.

Filterblase, Social Bots, Fake News, alternative Fakten

Es gibt vieles, was Einfluß nimmt auf die Meinungsbildung und das Handeln von Menschen. Social Bots sollen politische Stimmungen verteilen und Wahlen beeinflussen. Alternative Fakten sorgen für Mis-Bildung. Auch wenn viele es als solches erkennen, kann es dennoch dazu führen, dass man beeinflußbar ist. Wird einem tausend Mal das selbe (unrichtige) erzählt, glaubt man irgendwann an dessen Wahrheitsgehalt. Fake News sind so gut verpackt, dass man wirklich recherchieren müsste, um zu erkennen, dass das ausgemacher Blödsinn ist und wahrscheinlich frei erfunden wurde. Nicht jede*r macht sich immer die Mühe und gräbt tiefer. Man hat auch gar keine Zeit dazu. Hinzu kommt das Übermaß an Informationen. Niemals konnte irgendetwas besser verteilt werden. Zeitungen sind zu langsam, das Internet ist anscheinend geduldiger als Papier. Nimmt man es rein metaphorisch. Denn geduldig ist es lange nicht …
Reizüberflutung, Schnelligkeit, Wissensdurst, Mobilität. Alles trägt dazu bei, dass man manchmal zu sehr informiert ist, als dass man sich wirklich informieren kann.
Einseitige Berichterstattung ist der Tod des guten Journalismus. Der schmale Grad der Meinung von Populismus trennt, verschmilzt mitunter. Unsicherheit wird zu Angst und dann zu Hass. Klarer Menschenverstand scheint auf der Strecke zu bleiben.

Also im Fazit wegbleiben aus den Sozialen Medien?

Muss nicht sein. Manchmal reicht ein wenig Hinterfragen, Abstimmung mit den Meinungen und/oder Erkenntnissen geschätzer Personen, Freunden. Ist man denn dadurch weniger beeinflusst? Bestimmt nicht. Im Laufe des Lebens durchlaufen wir viele Situationen, die uns und auch unsere Einstellung und Meinung prägen. Das macht uns als Individuen aus. Soziale Herkunft, Bildung. Dennoch können Menschen derselben sozialen Schichten und gleicher Bildung ganz unterschiedliche Lebensanschauungen haben. Persönlichkeit oder Charakter, unsere Lebenserfahrung eben, die uns zu dem macht, was wir sind. Vielfalt und Individualität sind es, was die Gesllschaft ausmacht. Darum glaube ich daran, dass Social Bots oder auch alternative Fakten nicht über ünser aller Handeln bestimmen werden. Facebook, Google und Co. wissen trotz aller Daten, die über uns gesamllt werden, eben nicht alles über uns. Und man darf nicht vergessen, das der Faktor Mensch in manchem Handeln einfach nicht berechenbar ist. Im Schlechten, wie im Guten.

Mediengestalterin, Social Media Manager, mit kaufmännischer Basis, betreibt neben dem Schreiben auf der Beschäftigungs-Therapie noch 2 weitere Blogs. Ihre Themen sind Gestaltung, Kommunikation, Kunst & Kultur. Aktuell frischt sie mit einer Weiterbildung ihre Kenntnisse in (Social und Online) Marketing, PR, HTML & CSS, Projektmanagement, Kommunikationsmanagement und Präsentationstechniken auf. Ab dem Wintersemester 2017 wird ein Studium im Bereich Kulturwissenschaft angestrebt.

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